
Sanna, Peter, Oskar & Ida
Heidweiler
Sommer 2023
Slowakei
01
25.7.2023
1 Jahr ist wie ein Tag
So kommt es einem zumindest vor. War es denn nicht gerade gestern als die Fähre von Dublin nach Chérbourg bestiegen wurde? Erst am 15.7. fuhren wir doch in die heimatliche Boelckestraße ein. 2022 wohlgemerkt!
Ob Madame das Schreiben überhaupt noch beherrscht? Vielleicht hat sie der Musenkuss zwischenzeitlich für immer verlassen! Aber - der Sprung ins kalte Wasser fühlt sich nicht wärmer an, wenn man später springt! Also rein ins nasse Vergnügen - sprichwörtlich. Denn genau das hatten die deutschen Autobahnen heute zu bieten - Regen, Regen, Regen! Da trafen sich wohl die Weather Girls, die Regentrude und Jörg Kachelmann zur gemeinsamen Stehparty, die die Ausmaße einer Wagner-Oper annahm. Dazu überfüllte Straßen, Parkplätze und Raststätten. Sightseeing auf nassem Beton. Vorbei an Aurach, Ansbach und Amberg mit historischer Altstadt. Wunderschön. Zumindest auf dem Hinweisschild an der A6. Aber wer kann schon in beschaulichen oberpfälzer Städtchen verweilen, der eigentlich nur auf der Durcheise ist?! Eben. Nach zehnzillionen Stunden Fahrtzeit 2 schlafende Minimenschen so gegen 23h. Ankunft um Mitternacht irgendwo kurz hinter der tschechischen Grenze an irgendeinem See. Da wären wir also wieder - Irgendwo im Nirgendwo. Wie schön...
02
26.7.2023
Insomnia
Alles andere als schön war die vergangene Nacht...manche Dinge ändern sich auch nach einem Jahr nicht. Eigentlich nächtigt Minimadame mittlerweile ruhig und zur allgemeinen elterlichen Zufriedenheit, uneigentlich (da hätten wir auch wieder Madames Lieblingswort. Außer GUTEBUTTER natürlich!) sorgen ihre hyperplastischen Polypen und Tonsillen in Godzillagröße beim kleinsten Infekt für ein Schnarchen, das dem des Grüffelos gleichkommt und weniger dem vornehmen Schniefen der Prinzessin auf der Erbse. Soll heißen - Madame lag wach. Schlaflos in Tschechien also. Und von Meg Ryan und Tom Hanks auch keine Spur. Na toll! Obwohl man beim heutigen Programm trotz ohrenbetäubenden Schnarchens leicht in einen Sekundenschlaf hätte fallen können, so eintönig ging es auf den tschechischen Autobahnen zu - LKW an LKW, gepaart mit rasenden SUVs und Stau Stau Stau. Ein Wunder, dass mit nur einer einzigen Pause die 5-stündige Fahrt durch fast ganz Tschechien absolviert wurde! Und die Minimenschen schliefen immerhin auch vor 22h. Madame hoffentlich auch bald. Ein weiteres Insomnia würde den so wichtigen Schönheitsschlaf verhindern. Als ob der noch irgendwas retten würde...HAHA!


03
27.7.2023
Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
Jetzt mal Hand aufs Herz...wer hat "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" nicht gesehen?! So ca. Tausendmillionen Mal?! Madame hebt innerlich beide Hände...und Füße!
Das Märchenschloss Bojnice hielt zwar nicht als Kulisse für diesen Filmklassiker her, hätte aber auf jeden Fall das Zeug dazu gehabt. Inzwischen war man auch endlich im Zielland angekommen - Willkommen in der Slowakei! Am Übernachtungparkplatz in Tschechien, wunderschön an einer Straße gelegen (aber immerhin mit See in der Nähe...), ließ man die alte Sabbat-Zeitrechnung aufleben - gemütliche Abfahrt um 10h30. Heute dann glücklicherweise nur eine gut 2 stündige Fahrt zum Zielort. Ein Klacks für die mittlerweile fahrerprobten Minimenschen. Soll heißen - keine Pause. Und auch das, dessen Name nicht genannt werden darf, blieb ausgeschaltet. Im Gegensatz zu gestern. Jahaaa, und vorgestern. Aber bei dem, was Bojnice zu bieten hatte, brauchten Eltern weit mehr Nerven und geschicktere Ablenkungsmanöver als nur den Laptop aus den Oberstübchen der Minimenschen zu zaubern. Allein der Campingplatz hatte einen riesigen Spielplatz und zahlreiche kostenpflichtige Attraktionen zu bieten. Ganz zu schweigen vom nur ca.10min entfernten Märchenschloss. Hier herrschte klein Disneyland - der Weg zum Schloss hoch war gesäumt mit Buden, Souvenirshops, Essensständen und Verkaufslädchen (man kam sich fast wie in der Fressgasse auf der Kerwe vor). Noch schlimmer war dann das weitläufige Schlossareal mit Falknerei, Ponyreiten, Papageiengehege, komisch dreinblickenden rauchenden Riesenfiguren mit ordentlich Sound und Drölfzillionen angebotenen gar nicht mal so schönen Kuscheltieren. Zumindest für den Moment diesem Klimbim entkam man durch den Besuch des wirklich wunderschönen Schlosses. Innen weit weniger imposant - das hatte den einfachen Grund, dass die Nachfahren des Schlossherrn ihn postum für unzurechnungsfähig erklären ließen nachdem der noch zu Lebzeiten beschlossen hatte, das Schloss nach seinem Ableben jedermann zugänglich zu machen. Eine Vielzahl an Interior wurde im Zuge dessen von den Nachfahren bei Händlern und auf Trödelmärkten geradezu verscherbelt. Die absolvierte Schlosssbegehung brachte auf der kindlichen Vergnügnungsskala leider nicht genügend Punkte, um das Gelände gefahrenlos wieder verlassen zu können. Die Greifvögel zogen beide Minimenschen magisch in ihren Bann (bis dahin hatte Minimadame das Ponyreiten noch nicht entdeckt!) und irgendwie saß man 20min später bei einer Greifvogelshow der Falknerei. Über Sinn und Zweck solcher Institutionen kann man mehr als streiten, Madame weiß. Trotzdem war es wirkich beeindruckend, wie grazil, lautlos und schnell sich diese Tiere in der Luft bewegten - von Eulen, Adlern, einem Kondor und einem Raben war so ziemlich alles dabei. Auch wunderschöne Herren in mittelalterlichen Roben, deren Haarpracht so lang und dicht war, dass Madame dafür töten würde (auf ihrem Haupt ist haartechnisch noch so viel los wie im Freibad bei Minus 45 Grad an Heiligabend!). Fast töten können hätte man für das anschließende slowakische Gelato. In der Mandolina Gelateria war das Eis für 1,60€ so groß und hatte derart viele Pistazienstücke, dass eine Kugel locker als Mittagessen durchgehen konnte. I scream, you scream, we all scream for ICE CREAM!
04
28.7.2023
Knusper Knusper Knäuschen
Wer will nicht mal hoch hinaus? Über den Dingen stehen? Den Blick von ganz oben genießen? Und das ganz ohne bösen ökologischen Fußabdruck wie im Flugzeug?! Jahaaaa. Das geht! Auf dem Baumwipfelpfad in Bojnice, oberhalb des Disneyland-Schlosses. Nach der gestrigen Überdosis an Klimbim, Kitsch und Remmidemmi erklomm man heute ganz allein und in absoluter Ruhe in knapp 6 km mit ordentlicher Steigung besagten Baumwipfelpfad. Oben angekommen Ernüchterung. Den versprochenen atemberaubenden Blick über Schloss, Stadt und das gesamte Tal gab es zwar, aber nur zum Preis von 10€. Pro Person. Gratis dazu - schlimmste Dudelei in einer ohrenbetäubenden Lautstärke! So kann man wirklich jedes Naturerlebnis dem Erdboden gleichmachen! Ganz zu schweigen von den eindeutig zu farbenfrohen Schlumpfhäuschen, die permanent von Touristen für Schnappschüsse in Beschlag genommen wurden und den gerade im Aufbau befindlichen schrill-bunten Plastikspielgeräten. Schön geht irgendwie anders. Schade. Der Rückweg durch Frauenmantel, blaue Wegwarte, blassrosa Schafgarbe und wilder Möhre (neben dem Wollgras Madames Lieblingsgewächs) war aber umso schöner. Und nachdem ein junger Rehbock einfach so an der 4er Truppe vorbei aus dem Gebüsch davonstürmte, konnte man den größten und ältesten Zoo der Slowakei (ebenfalls direkt auf dem Schlossareal gelegen...wie praktisch für die elterlichen Geldbeutel. Ähhh...nicht) getrost links liegen lassen. Dafür musste dringend noch ein Mittagessen in Form von leckerem Gelato verputzt werden - Mohn mit Sauerkirsche! Yummie... Lecker hörte sich auch der nächste Zielort an - das Lebkuchendorf Ĉiĉmany trumpft mit exakt 136 wunderschön bemalten Holzhäusern auf. Alle mit Mustern à la Lebkuchenhaus bemalt. Zu Essen gabs dann keine Gerichte aus der Hexenküche, sondern die ersten slowakischen Mahlzeiten - eine Art Gnocchi mit Schafskäsesoße und ordentlich ausgelassenem Speck für Monsieur, Hähnchenschnitzel mit Pommes für die Minimenschen und Kartoffeln mit Lauch, Pilzen und saurer Sahne für Madame. Alle Gerichte mit deutlich unter 10€ sehr günstig, einen leeren Madame-Magen hat es allerdings nicht gefüllt. Hänsel und Gretel haben wir übrigens nicht gesehen - die waren irgendwo anders beim All-you-can-eat-Buffet!







05
29.07.2023
Hubba Bubba
Den großen Lebkuchen-Übernachtungsparkplatz verließ man zeitig um 10h30 (haha) und war in schnellen 45min. am nächsten Zielort. Die Slowakei hat tatsächlich eine perfekte Sommerferiengröße - wenige Fahrzeiten am Tag und am Ende des Urlaubs trotzdem viel gesehen. Viel gesehen hatte man heute allerdings nicht so wirklich. Außer man zählt Nebel dazu. Und noch mal Nebel. Und später Regen. In Vrátna Chleb angekommen, fuhr man mit der Seilbahn hoch zur Bergstation. Von dort aus ging es in insgesamt nur 2,4km auf den 1709m hohen Velký Kriváň und wieder zurück zur Bergstation. Aber wie so oft liegt der Teufel im Detail. Die Kurzdistanz hatte es in sich. Schon nach den ersten Metern war klar - das wird kein Spaziergang. Die zu Beginn fest einbetonierten Steine waren durch vorherigen Regen extrem glatt und rutschig und verlangten vor allem Madame samt Miniversion so einiges ab. Und überhaupt - Minimadame war an diesem Tag gar nicht mal so gut gelaunt. In etwa so, wie Voldemort nachden man seinen Zauberstab entzweit hatte. Die Strecke nach oben zog sich daher wie der klebrigste Hubba-Bubba-Kaugummi aller Zeiten. Außer beim Minimonsieur - der flog einmal mehr wie der federleichte Legolas den Berg hoch. Oben angekommen wärte das Gipfelglück auch nur kurz. Erneuter Regen ereilte alle Wanderer - wie gut, dass diesmal an Regenkleidung für alle gedacht wurde. Wenn, ja wenn....die nicht im Wohnmobil liegen würde! Mit 4 Einweg-Regenponchos aus der Vocatello-Survival-Kiste noch aus dem Sabbatjahr behalf man sich notdürftig und stürzte ohne größere Stürze in nur 30min zurück zur Bergstation. Um dort festzustellen, dass die Bahn wegen des Unwetters vorsorglich abgeschaltet wurde. Immer mehr Menschen zwangen sich in den Vorraum der Bahn und ließen die Luftfeuchtigkeit in die Höhe schnellen. Den Schweißgeruch auch. Der Ticketscanner blinkte einsam vor sich hin, die gläsernen Automatiktüren am Eingang zur Bahn beschlugen immer mehr bis man die Gondeln nur noch erahnen konnte. Aber - im Gegensatz zum Gaustatoppen in Norwegen hatte man heute noch genügend Proviant dabei und Toiletten in der Nähe, um zumindest die tropfnassen Hosen der Kinder zu wechseln (daran hatte man immerhin gedacht - hört, hört!). Schneller als gedacht ging es nach knapp 20min. wieder gen Tal. Die Wander-Tapferkeit musste belohnt werden - mit frischem Popcorn und einer großen Runde Shawn das Schaf flog man förmlich zum 45min. entfernten Ort Vychylovka. Dort hatte man für den nächsten Tag einiges vor. Bevor lediglich nur noch das Gelände rund um den Übernachtungsplatz erkundet wurde, zückte man noch ganz schnell das Fernglas - da zogen tatsächlich zwei riesige Adler ihre Kreise. Wunderschön! Weniger schön, dafür aber umso leckerererer der Apfelstrudel im Kiosk nebenan. Die Cola der Slowakei, die Kofola, ebenfalls nicht schlecht. Weniger Zucker, weniger Koffein, mehr Kräuter. Mehr Tierisches gab es dann zum Einschlafen gratis dazu....das Schreien des Käuzchens begleitete ins Land der Träume. Und natürlich das Schnarchen der Minimadame. Himmel!


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30.7.2023
Märchenstunde
Die kleine Waldwendebahn in Vychylovka fuhr weder vom Gleis 9¾ ab noch wurde sie mit Dampf betrieben. Diesel war hier das Zauberwort und kein komplizierter Zauberspruch. Diese Mini-Bahn mit genau einem Wagon war also maximal ein Harry Potterchen, das Tuckern durch den magisch anmutenden Wald trotzdem ein Erlebnis. Denn die Lok war imstande, eine große Distanz an Höhenmetern mit nur einigen Spitzkehren zu überwinden, weil sie gleichzeitig ziehen und schieben konnte und lediglich eine Weiche zum Umparken benötigte. Die Waldwendebahn ratterte durch ein weitläufiges Waldgebiet, inmitten des Freilichtmuseums Múzeum Kysuckej Dediny. Zu bestaunen waren hier unterschiedlichste Holzhäuser aus der Vergangenheit, die aus verschiedenen Ortschaften der Slowakei zusammengetragen und hier wieder aufgebaut wurden - Wohnhäuser, Ställe, Sägewerk, eine alte Mühle undsoweiter. Heute stand das Sonntag Spezial an - soll heißen leckere traditionelle Slowakische Küche zum Probierpreis. Gekostet wurde eine Kartoffelsuppe und Koláč s posýpkou (ein Blaubeerkuchen...klar, oder?!). Die deftigen Fladen mit Kraut und Wurst ließ man aus...Genauso wie den Inhalt des Topf des Grauens! Denn einmal mehr wehrten sich die Großen gegen den Kauf furchtbarer Zuckerwatte aus eben jenem Schreckenstopf. Für den weit größeren Schrecken war dann der nächste Zielort zuständig - das Orava Castle. Was für eine Erscheinung! Eine Burg, die ihrem Namen alle Ehre machte und das Märchenschloss von Bojnice richtig alt aussehen ließ. Mit über 700 Stufen, mehreren Burgteilen, die zum Teil in den Fels gebaut waren, einer Vielzahl an Treppen (nunja, bei 700 Stufen irgendwie logisch!), verschiedenen Innenhöfen und einer irrsinnigen Anzahl an Räumen, Kellern und Türmchen überraschte dieses Bauwerk an jeder Ecke mit neuen Wegen und verschlungenen Pfaden. Dennoch fühlte sich Madame seltsam heimisch...wenig später sollte sich das Geheimnis lüften! Hier wurde nicht nur der Gruselschocker "Nosferatu" gedreht, die Burg war ebenfalls Kulisse für den Märchenfilm "König Drosselbart" aus dem Jahre 1984 (jahaaa, Madame war da schon auf der Welt, kaum zu glauben, sie weiß...). Wer kennt ihn nicht?! Zumindest Madame liebte diesen Film als Kind und war verständlicherweise ganz entzückt und völlig aus dem Häuschen als sie bestimmte Orte aus dem Film in der Burg wiedererkannte. Ein Grund zum Feiern! Das dachte sich wohl auch die 3er Kombo aus Trommler, Geiger und Gitarrist, die hervorragende mittelalterliche Livemusik in einem der Turmzimmer zum Besten gab! Die ein oder andere Melodie aus Game of Thrones war auch dabei...behauptete zumindest Monsieur. Madame schaut so etwas ja nicht. Dann doch lieber König Drosselbart. Hach...





07
31.7.2023
Das Tal der Stille
Vom gestern bezogenen Campingplatz in Oravice (auch mal wieder so ein Ort irgendwo im Nirgendwo) führte direkt um die Ecke ein wunderschöner, knapp 10km langer Rundweg durch das Tal der Stille. Zunächst entlang eines zauberhaften Bachlaufs, der sich an manchen Stellen sogar zu Stromschnellen entwickelte, vorbei an Wildblumen, knorrigen alten Bäumen, Hunderten von Schmetterlingen, Bienen und Käfern war dies eine fantastische, äußert ruhige und tatsächlich stille (bis auf das Plätschern des Flusses) Wanderung - genau nach unserem Geschmack! Mit einer ausgedehnten Pause benötigte die Truppe in etwa dreieinhalb Stunden und belohnte sich danach mit pappigem Industrieeis. Madame hielt stand. Und futterte dafür drölfzillionen homemade Energiebällchen aus dem Womo-Tiefkühlfach. Haha! Und weil die Minimenschen nach den 12 km noch nicht müde waren, gab es noch ordentlich Action mit dem campingplatzeigenen Fuhrpark - die Bataillon an Fahrzeugen allesamt irgendwie kaputt, defekt oder verborgen, aber Spaß hatten sie trotzdem. Genau wie der riesige Rehbock, der inmitten der Camper völlig unbeeindruckt die Wiese abgraste. Immer locker durch die Hose atmen!


