top of page

Sommer 2026

Peru

Woche 1  -  Woche 2  -  Woche 3  -  Woche 4  -  Woche 5

08

6.7.2026

​

Schokoladen-Fruchtzwerge

​

Das Einchecken gestern Abend am Busterminal von Cruz del Sur geht rasend schnell...es bleibt die Hoffnung, dass man ebenso zügig im Land der Träume ist. Halten doch alle Mann schon 2 Stunden länger aus als die Tage zuvor. Aber weit gefehlt. Zumindest bei Madame. Sitzplatz direkt neben einer überdimensionalen Lüftungsanlage und einem dauer-quietschenden Getränkepack. Schlafmasken gab es der dreien...Madame verzichtet für eine kleine Minimadame. Ein Schal tut es auch. Die zuvor kunstvoll ins Ohr gedrehten knallpinken Oropax-Schaumstoff-Kegel schmerzen nach kurzer Zeit so sehr im Gehörgang, dass sie zurück in die Hosentasche wandern. Madames Sitznachbar über dem Gang denkt ebenfalls nicht ans Schlafen und fröhnt lautstark noch für ca.1 Stunde einem Kinofilm auf dem Handy. Fazit - im Bus ist es zu laut, zu warm, zu unbequem und zu durchschüttelig. Wie wir bereits wissen, haben die peruanischen und europäischen Autobahnen bezüglich der Bodenbeschaffenheit ja ungefähr so viel gemein wie ein Apfelausstecher und ein Toilettenpömpel. Soll heißen - das Wackeln und Zackeln, Wuckeln und Ruckeln kommt einem Ritt beim Bullriding gleich. Womöglich führt auch dieser Umstand dazu, dass Minimadame bis morgens um 1h vier Mal aufwacht und weint...an Schlaf ist also weiterhin nicht zu denken (den beiden Monsieurs in der Reihe davor scheint es besser zu ergehen.).
Aber irgendwann fällt auch Madame in einen unruhigen Schlaf. Die Hand immer bei Minimadame träumt sie von einem peruanischen Schokoladen-Fruchtzwerg (das ist eine Fledermausart und kein überzuckerter Pseudo-Obstquark!), der im Titicacasee mit Inka Cola-Flaschen jongliert und dabei lauthals jodelt. Ein seltsames Gefühl reißt sie unvermittelt aus dem Schlaf - ihr Po hat sich halbiert! Vielleicht eine positive Nebenwirkung des stundenlangen Durchschüttelns? Eine bis dato nicht vorhandene Supernova der Kalorienvernichtung nebst gleichzeitigem Muskelaufbaus?! Madame frohlockt innerlich wie ein Engelchen kurz vor der Bescherung. Bis sie merkt, dass die linke Pohälfte lediglich eingeschlafen ist. Genauso wie der dazugehörige Arm. Schade.
Wie eine beleuchtete Schlange schiebt sich die Fahrzeugkarawane mit einem Tempo von 20 km/h zwischen den Steinbergen eintönig immer weiter in die Höhe.
Ab 5h30 erklingt eine äußerst nette Handymelodie zum Wecken, die leider von ihrer Zauberhaftigkeit verliert je länger sie gespielt wird. Ab 6h arbeiten dann die nächsten Passagiere an ihren voll beleuchteten Tablets. Möglicherweise gibt es keinen Nachtmodus auf der südlichen Hemisphäre. Um exakt 8h kommen alle unfallfrei in ganz anderen Höhen-Hemisphären an - Arequipa liegt auf 2800m. Und das Katari Hotel direkt am Plaza de Armas bietet nicht nur einen fantastischen Blick auf die außergewöhnliche Basilika Cathedral de Arequipa, sondern den Check-In eigentlich erst um 13h an. Wahrscheinlich machen Madame und la Familia an der Rezeption einen so erbärmlichen Eindruck, dass man verspricht, das gebuchte Zimmer bis 10h bezugsfertig zu haben. Muchas gracias! Bis dahin vertreibt man sich die Zeit um die Ecke im Capriccio mit einem leckeren Frühstück. Nach dem Einchecken und einem ca.3 Stunden anhaltenden Dämmerzustand (inklusive kleiner Power Naps), raffen sich alle auf und erkunden Perus zweitgrößte Stadt (1,2 Millionen Einwohner). Allen voran der Market - einer in einer riesigen überdachten Halle untergebrachter täglicher Markt, in dem Hunderte von kleinen Ständen alles fürs tägliche Leben anbieten. Die Atmosphäre ist geschäftigt, lebendig, überall herrscht reges Treiben. Man läuft vorbei an einer schier endlosen Auswahl an Obst und Gemüse, Blumen und Käse, Fleisch und Fisch, Süßigkeiten und Souvenirs, Kleidung und Hüten, Edelsteinen und...Queso Helado. Wörtlich übersetzt - Käseeis. Aber keine Sorge, sin Käse en el Helado! Der Name kommt lediglich von der Farbe des Eises. Bei Queso Helado handelt es sich um eine Spezialität aus Arequipa. Eine Mischung aus Milch, Kokosnuss, Zucker und Vanille wird in großen Metallschüsseln, die in einem Bottich aus Eiswasser stehen, durch schnelle Drehung langsam gefroren. Die dünne Schicht, die sich am Schüsselrand bildet, wird mit einem Spatel abgetragen und vor dem Sevieren großzügig mit Zimt bestreut. Qué delicioso! Genau wie das Abendessen auf der Dachterasse des Hotels mit Blick auf den beleuchteten Plaza de Armas. Qué bien!

 

09

7.7.2026

​

La Ciudad blanco

​

Arequipa ist überall bekannt als la Ciudad blanco, die weiße Stadt. Das liegt am weißen Vulkangestein, genannt Sillar, das hier zu Hauf verbaut wurde. Denn Arequipa ist umgeben von Vulkanen, deren gepresste Asche Sillar hervorbringt.
Als schönste Beispiele gelten die Basilika Cathedral de Arequipa (die über 1000 Menschen fassen kann) und das berühmte Monasterio de Santa Catalina, eine historische Klosterstadt aus dem 16.Jahrhundert, die für ihre leuchtend orange und strahlend blau getünchten Wände bekannt ist. Sie ist das einzige Kloster in Peru mit Frikadelle. Ähh...Zitadelle. Das Monasterio ist seeehr weitläufig und ohne die drölfzillionen Salida-Schilder, die einem den Ausgang anzeigen, hätte man sich wohl verirrt wie Hänsel und Gretel im Knusperhexenwald. Man findet glücklicherweise den Ausgang und begibt sich schnurstracks zum Oso Café Tostaduría und verleibt sich inmediatamente mit Mandelcreme gefüllte und Pistazien bestreute Riesencroissants ein. Delicisio! Und ganz ohne Kalorien naturalmente. Vielleicht. Und eigentlich bräuchte man die ganzen übermäßigen Kalorienkeiten gar nicht, denn der Körper hat in dieser Höhe schon genug zu tun. Puls auf 120 bei der Besteigung einiger winziger Treppenstufen, Rennen ist schier unmöglich ohne das Gefühl zu haben, man hätte gerade einen Ultralauf absolviert. Man rennt andauernd auf die Toilette, weil der Körper auf die Höhe mit einer erhöhten Nierenfunktion reagiert. Haut und Schleimhäute trocknen schneller aus als man Rubbeldiekatz sagen kann. Aber - Versuchungen kulinarischer Art gibt es genügend in Arequipa. Jedes noch so kleine Gässchen beherbergt unzählige Bistros, Cafés und Paneterias, die sich zu großen Teilen in wunderschönen Innenhöfen befinden. Auch direkt an der Straße wird gefühlt jeder noch so kleinste Zentimeter ausgenutzt - 5m² Souvenirshop? Kein Problem. Dann aber bitte mit 3 Überwachungskameras! Von den Dingerchen hängen hier in Peru so viele wie in New York am Weihnachtsbaum des Rockefeller Centers. Süßer die Glocken nie klingen. Das Bimmelling an der Cathedrale hört man beim Abendessen nicht. Denn da geht's ins Victoria Hotel, wo prähistorische Küche kredenzt wird. Das Essen schmeckt ungewöhnlich und interessant (Alfred Biolek hatte in seiner Kochsendung "Alfredissimo" interessant immer dann verwendet, wenn ihm ein Gericht etwas suspekt war.). Ganz und gar nicht geschmeckt hat Monsieur seine Inca Cola. Wasser, Zucker, Zitronensäure, Aroma. Wie Gummibärchenkotze, meint Minimadame. Oder Red Bull. Nur schlimmer. Man muss es eben mal probiert haben. Wie Meerschweinchen. Das aber haben nur die Tischnachbarn getan. Gracias a dios!

 

 

Sie lesen einen Gastbeitrag unseres Autors Monsieur H.

10

8.7.2026​

​

Der Ort, an dem sogar der Salzsee friert

​

Urlaub ist ja eigentlich dafür da, auszuschlafen. Eigentlich. Während der Rest der Familie in Arequipa das Hotelbett ausgiebig testet, klingelt mein Wecker bereits. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein mehr als gelohnt hat.
Pünktlich um 6 Uhr sammelt uns Guide Roy ein. Mit an Bord: sieben Belgier, fünf Tschechen und ein Deutscher, der hofft, dass die Akklimatisation der letzten 30 Stunden in Arequipa ihren Zweck erfüllt hatt.
Nach einem kleinen Frühstück in Chiguata schraubt sich die Straße immer weiter nach oben. Und plötzlich ist sie da: diese riesige, schneeweiße Salzebene. Die Salinas. Umrahmt von den gewaltigen Vulkanen Misti, Pichu Pichu und Ubinas wirkt die Landschaft eher wie ein Filmset als die Realität. Dass Teile des Salzsees sogar gefroren sind, machte das Ganze endgültig surreal.
Kaum hat man aufgehört zu staunen, laifen schon die nächsten Lamas und Vicuñas durchs Bild. Und als wären die nicht fotogen genug, stehen wenig später auch noch Flamingos mitten im Salzsee. Offenbar hat jemand bei der Gestaltung dieser Landschaft beschlossen, einfach alles hineinzupacken, was spektakulär aussieht.
Die große Frage ist natürlich: Wie fühlen sich heute 4.300 Meter Höhe an? Überraschend unspektakulär. Keine Kopfschmerzen, keine Atemnot. Nur mein Kreislauf meldet sich zuverlässig jedes Mal zu Wort, wenn ich nach fünf Minuten Fotografieren aus der Hocke wieder aufstehe. Frei nach dem Motto: „Schön, dass du noch da bist – aber mach bitte etwas langsamer.“
Nach sieben Stunden bin ich wieder zurück in Arequipa. Die Familie hat den Vormittag entspannt verbracht und wir können den Nachmittag gemeinsam genießen. Für mich ist die Tour die perfekte Kombination aus Akklimatisation und einem landschaftlichen Highlight. Und ganz ehrlich: Für solche Ausblicke darf der Wecker auch im Urlaub einmal früh klingeln.

 

11

9.7.2026

​

Todeszone

​

Off-Label Use ist wirklich eine feine Sache. Noch nie davon gehört? Madame auch nicht. Monsieur hingegen ist natürlich voll im Bilde. Kurz und knapp - Medikamente werden in ihrer eigentlichen Funktion für völlig andere Zwecke genutzt. In diesem Fall verhilft Glaupax, das eigentlich den Augeninnendruck senkt, hervorragend für eine bessere Höhenanpassung. Sogar das auswärtige Amt empfiehlt die Einnahme für die Flugankunft im bolivianischen La Paz auf 3800m. Für den heutigen Tag schrauben wir uns aber nochmals deutlich höher. Der tercer día in Arequipa beginnt zunächst mit einer Taxifahrt zum Aeropuerto. Nein. Kein weiterer Flug. Zumindest nicht heute. Es wird Zeit, dass Monsieur nach all den Uber-, Taxi- und Busfahrten das Steuer wieder selbst übernimmt. Der guten alten Wohnmobil-Zeiten wegen. Also ab zu Sixt in Terminal 1 (Haha, es ist das einzige) und das reservierte Mietauto abgeholt. Unser Nachname ist ja bereits in deutschen Gefilden manchmal eine Buchstabier-Hürde, hier in Peru gleicht sie einem schier aussichtslosen Unterfangen. Aus Heidweiler wird dann einfach Mister Pieter. So auch für die freundliche Autovermietungsfachangestellte. Der Madame ihren Führerschein leider nicht aushändigen kann, um als Zweitfahrerin eingetragen zu werden. Das Kärtchen liegt in der Boelckestraße im häuslichen Geldbeutel. Upsi. Keine Absicht. Madame schwört. Beschworen hat Madame dann auch den zukünftigen Gegenverkehr auf dem Weg von Arequipa nach Cabanaconde. Die 4-stündige Fahrt zieht sich deshalb so in die Länge, weil auf den kurvigen und engen Straßen in den Bergen oft Tempo 30, maximal 55 gilt. Dazu noch alle Nase lang Überholverbot. Monsieur interessiert das. Nicht die Bohne. Daher schickt Madame vor jedem Überholmanöver ein kleines Stoßgebet zum Himmel. Todo bien. Auch am Pass Mirador de los Andes, der auf sage und schreibe 4919m Höhe liegt. Ab 5000m beginnt die Todeszone. Madame fühlt sich fast wie im Basislager des Mount Everest. Auch wenn sie da niemals hin will! Hinwollen will sie aber eindeutig zum Mirador Cruz del Condor. Die Fahrt dorthin durch wunderschönes bergiges Gelände, gesäumt von Opuntien, weiteren Kakteenarten und verschiedensten Gräsern. Ankunft leider einige Stündchen zu spät am Mirador, um die weltweit schwersten Greifvögel (bis zu 15kg und einer Flügelspannweite von bis zu 300cm) aus der Nähe betrachten zu können. Macht nichts. 3 Exemplare tun es für diesen Tag auch. Ziel des Tages ist Cabanaconde, ein klitzekleiner Ort am Rande des Colca Canyons. Die Gassen sind so winzig, dass Madame befürchtet, man würde mit dem Auto zwischen den Häusern stecken bleiben. Im Hotel Casa de Santiago begrüßt uns ein ganz zauberhafter Besitzer, der uns, nachdem wir ihm zu verstehen gegeben haben, dass wir no espagnol sprechen, unbeirrt in einer solchen Geschwindigkeit weiterspricht, dass das Licht vor Neid erblasst wäre! Zumindest ist die Speisekarte auch auf Englisch. Hätte hätte Mettbulette man mal direkt beim Einchecken das Dinner bestellt, denn als alle Viere um 18h30 Essen ordern, gibt man uns zu verstehen, dass es in einer guten Stunde fertig sei. Dios mio! Um exakt 19h37 wird kredenzt - ein Mal Soupa de Maiz mit ordentlich Bohnen (wie immer) sowie drei Mal Spaghetti Bolognesa (ähh...mit Alpacafleisch. Diese unwesentliche Information enthalten wir den Minimenschen vor. Himmel! Hoffentlich kommen wir dafür nicht in die Hölle!). Und was da an Portionen aufgetischt wird, reicht für eine ganze Horde Wikinger (nach den bisherigen Portionsgrößen in Peru hätten wir es eigentlich besser wissen müssen!). Dabei haben wir doch nur eine halbe Portion an rothaarigem Wikinger dabei...hei ei ei.
 

 

12

10.7.2026

​

Einmal Paris Hongkong Sangalle, bitte!

​

Zum Frühstück bestellen wir vorsichtshalber nur 2 Portionen Huevos Revueltos (ob die Rühreier eine Revolte angezündet haben, ist nicht bekannt). Auch wir lernen dazu. Im Casa de Santiago herrscht morgens um 7h geschäftiges Treiben und Aufbruchstimmung. Cabanaconde ist der Einstieg zum Colca Canyon - weltweit der angeblich tiefste und schönste Canyon Perus. 1100 Höhenmeter in die Tiefe auf 6km. Was ein Brett! Für die Tour werden ca.2 Stunden berechnet, mit Minimenschen etwas länger. Weit gefehlt! Der einzige Klotz beim Abstieg ist Madame selbst! 2 Mal mit dem Knöchel umgeknickt (praktischerweise einmal rechts, einmal links) und eine Dauerrutschtour den Hang hinunter. Die Minimenschen fliegen wie Libellen den steinigen Weg entlang, man sollte nicht meinen, wir wären auf 3400m. Madame ist keine Libelle. Sie ist eine Motzmampe. Je länger sie rustcht und umknickt desto ungenießbarer ist sie. In etwa wie eine Stinkmorchel in Arsengulasch. Nach 2,5 Stunden ist es endlich geschafft. Und beim Anblick der Sangalle Oase inmitten diesen atemberaubenden Canyons verwandelt sich die Stinkmorchel doch tatsächlich in eine duftende Hibiskusblüte. Die gibt es hier nämlich zuhauf. Genau wie Anis-, Mango-, Avocado-, Eukalyptus und Granatapfelbäume und Dattelpalmen. Dazu eine Handvoll Kolibris, zwei Hunde und fünf Katzen. Der vorhandene Pool ist leider noch leer, da er jeden Tag aufs Neue mit frischem Flusswasser gefüllt wird. Die Minimenschen haben in der weitläufigen Anlage aber auch so genug zu entdecken...allen voran der kleine Hund Rio im Miniformat. Am frühen Nachmittag kann dann in der brezeligen Wintersonne geplanscht werden. Aber nicht lange. Die Sonne verschwindet gegen 15h. Klar, wir sind in einem 1100m tiefer liegenden Tal. Verschwunden ist dann nur ein Bruchteil des Abendessens. Marcy, die sehr sehr nette Hotelmanagerin, servierte zum Abendessen wieder Portionen in Riesengröße. Wer. Soll. Das. Alles. Essen? Sie meinte, es seien Standardportionen. Madame ging immer davon aus, sie futtert wie ein Scheunendrescher, aber hier muss sie einmal mehr kapitulieren. Anscheinend liegen die deutschen Mahlzeitengrößen international auf den hinteren Plätzen. Wenn jemand einen besseren Vergleich hat, dann Marcy vom Paraiso Palmeras. Sie wurde in Paris geboren, hat chinesische Eltern, arbeitete lange in Hongkong, kam zurück nach Paris, bevor sie dort ihren Job wieder kündigte, um zu reisen. In der Oase Sangalle half sie für 2 Wochen aus, beendete dann ihre Südamerika-Tour, um in die Oase als Festangestellte zurückzukehren. Kein Wunder. So schön wie es hier ist.

 

13

11.07.2026

​

Packesel

​

Weckergebimmel um 4h45. Zu diesem Zeitpunkt ist Monsieur bereits 15min on Tour. Die Minimenschen schälen sich um 5h aus den Federn. 5h15 Desayuno, 5h30 soll das nächste tierische Abenteuer beginnen. Für den Rückweg aus der Oase Sangalle hat Monsieur bereits im Vorfeld dafür gesorgt, dass die Minimenschen samt zugehöriger Madame den Aufstieg nicht per Pedes hinter sich bringen müssen. Die veranschlagte Dauer von 3 Stunden hätte Madame wohl mit aller Mühe in 6 geschafft (Monsieur aka Bergmonster flog in 1h45 nach oben!). Maultiere sollen alles richten - und das haben sie! Einfach increíble, was diese Tiere imstande sind zu leisten! Und Madame? Sitzt die knapp 1,5 Stunden nicht nur leicht panisch auf dem Maultier (die Tiere laufen so eng am Abgrund entlang, dass maximal ein Elfenfüßchen dazwischen passt!), sondern voll schlechtem Gewissen. Warum muss dieses arme Maultier wegen ihrer Unfitness Schwerstarbeit verrichten? Immer wieder klopft sie dem Tier liebevoll auf das Fell und ruft ihm ¡Muy bien! und ¡Muchas gracias, querrido burro! zu. Aber auch als Reiterin hat es die Tour nach oben in sich...locker flockig den Berg hoch geht anders. Ordentlich festhalten muss man sich. Zum Glück hat Madame in den letzten Monaten ordentlich Arm-Muckitraining gemacht (irgendwie ahnte sie wohl, was auf sie zukommt...). Bei Po und Beine sollte sie wohl noch etwas nachlegen nach dem Urlaub. Die gestrige Tour mit dem Abstieg kombiniert mit dem Durchgeschüttel auf dem Maultier fordert ihren Tribut. Treppen laufen geht nur im Faultiertempo mit ordentlich Schmerzen in den Waden (die sind überdies noch blutig geschürft, weil die Steigbügel zu kurz waren. Nur kein Mitleid!), in den Sitzhöckern und der Hüfte. Aber - will sie mit dem Esel tauschen? Ganz sicher nicht! Tauschen würde man heute lieber den Mietwagen...bitte mit prall gefülltem Tank! Manchen Dingen schenkt man bei uns nämlich so viel Beachtung wie einem Floh im Haferstroh. Tank leer. 2 Minuten zur nächsten Zapfsäule. No problema! Aber hier in den Bergregionen Perus finden sich in etwa so viele Tankstellen wie Netflix-Accounts in einem Kloster. Ei caramba! Das wird knapp. Fuhr man doch gestern schon mit orangefarbenem Lichtlein (und damit ist nicht Aladins Wunderlampe gemeint) und hat heute fast exakt 50km zu fahren. Glücklicherweise geht es den Weg zurück am Mirador de Condor (diesmal zur richtigen Zeit und mit einer Horde anderer Touristen, aber mit vielen Kondoren) bis nach Chivay oft bergab und das Automatik-Auto wird radikal in den N-Gang geschaltet, um Sprit zu sparen. Die letzten 5km schickt Madame verzweifelt Stoßgebete gen Himmel und bekreuzigt sich zutiefst dankbar als rettende Tankstelle am Ende der Straße auftaucht. Aufgetaucht ist dann nach einer klitzekleinen Weiterfahrt das El Refugio d'Elise - ein mitten in den Thermalquellen gelegenes gehobenes Hotel. Was auf den ersten Blick ganz exquisit aussah, entpuppte sich mit der Zeit als eine aus der Zeit gefallene Unterkunft. Bei Ankunft (wir waren bereits gegen 11h vor Ort) erklärte uns die nette Rezeptionsfachangestellte, dass Check-In um 13h sei, wir sollen einfach 2 Stunden in der Lobby warten - auf die Idee, den vier völlig übernächtigten, mit Staub und Sand panierten Touristen eventuell, möglicherweise, vielleicht einen früheren Check-In anzubieten, kam sie nicht. Wir aber. Und schwupps hatten wir 20 min später ein Zimmer. Schräg angebrachte Lichtschalter und Seifenspender, fehlende Toilettenpapierhalter, kalte Dusche, dafür kochend heißes Wasser aus dem Hahn und Frühstück am Sonntag bis 9h. Hier ticken die Uhren einfach etwas anders. Aber die Thermalquellen waren ganz wunderbar...und sorgten für noch mehr schlafduselige Benommenheit. Um 20h30 war Schicht im Schacht. Hasta la Vista Baby!

 

14

12.7.2026

​

Wolle de luxe

​

Man verlässt die etwas angestaubte Elise am Vormittag und macht sich auf die 4-stündige Autofahrt nach Puno. Zunächst passiert die Mannschaft ein weiteres Mal den Mirador de los Andes auf knapp 5000m. Und während wunderschöne kleine Bergseen vorbeiziehen, sind sie plötzlich da. Diese äußert karge, steppenähnlich bewachsene weitläufige Hochebene beherbergt auf 4500m tatsächlich unzählige Lamas, Alpakas und Vikunjas. Zu Hunderten, gar Tausenden leben die wuscheligen Fellgesellen hier in den Berghängen. Und eigentlich sind die putzigen Tiere gut zu unterscheiden - Alpakas sind die kleinsten Tiere, Lamas deutlich größer mit längerem Hals und Vikunjas sind im Gegensatz zu den beiden ersteren wild und nicht domestiziert. Sie liefern die weltweite teuerste und kostbarste Wolle - wer einen Vikunja-Schal erwirbt, legt locker 2000-3000€ auf den Ladentisch, eine ganze Jacke schlägt gut und gerne mit 12000€ zu Buche. De luxe de luxe. Die Landschaft ist äußerst dünn besiedelt (deutlich weniger Menschen als Fellfreunde!), es gibt immer nur kleinere Häuseransammlungen inmitten dieser wirklich wunderschönen, aber rauen Bergregion. Und dann staunen alle Viere Bauklötze (und zwar die großen!) - Flamingos baden sich in aller Ruhe in einem der Seen neben der Straße (es sollen nicht die letzten gewesen sein!). Einfach unglaublich, was dieses Land zu bieten hat - ein Highlight jagt das nächste! Die ca.125.000 einwohnerstarke Stadt Puno ist auch ein kleines Highlight - bunt, farbenfroh, lebendig und in die Berghänge an den Ufern des Titicacasees gebaut. Im Sol Plaza Hotel absolviert die Mannschaft die bisher höchste Übernachtung auf 3800m. Und alle sind wohlauf - das muss gefeiert werden! Bei Bianka Pizza mit Margarita und homemade Limonade. ¡Salud!
 

 

bottom of page