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Sommer 2026

Peru

Woche 1  -  Woche 2  -  Woche 3  -  Woche 4  -  Woche 5

01

29.6.2026

 

Taifun Tofu

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Dios mio, es werden schon wieder Koffer gepackt!
Wie schnell ist denn bitte schön wieder ein Jahr vergangen?!
Die Falten tiefer als der Marianengraben, die Haare brüchiger als ein Libellenflügel und die Orangenhaut dicker als jede GUTEBUTTER-Stulle, aber die Abenteuerlust so groß wie nie!

Vamos a la playa, oh oh oh oh oh!

Das zumindest ist derzeit der einzige Satz, den Madame in der Landessprache trällern ähh artikulieren kann - es geht nämlich nach Südamerika! Um genau zu sein - Hola Peru!
Dort wird dieses Jahr la sagrada Familia besucht - aus einem anderen Grund wäre Madame wohl auch nicht freiwillig in ein Flugzeug gestiegen. Geschweige denn 6 Mal. So oft wird sie in den nächsten 5 Wochen in diese vermaledeiten Maschinchen steigen müssen und bereits am Aeropuerto literweise Weihwasser über sich schütten und die Arme mit einem kräftigen Halleluja gen Himmel reißen - man kann nicht vorsichtig genug sein!
Besonders vorsichtig sollte man diesmal beim Packen sein - denn die Raumkapazitäten sind, im Gegensatz zu denen eines Wohnmobils, so beschränkt wie die Gänge eines Ameisenhaufens. 
Und mittlerweile sind die Zeiten vorbei, in denen pro Flugticket ein Gepäckstück (Gebäckstück wäre Madame eindeutig lieber!) zum Aufgeben inkludiert war. Sprich - jedes Köfferchen schlägt mit 75€ zu buche. Da bleiben also Bananenschneider, Glatzenbürste und Augentropfentrichterbrille unbedingt zuhause und nur das Nötigste wandert ins Gepäck. Am Ende zählt man 4 Handgepäckstücke (größentechnisch ausgereizt bis zum letzten Milimeter), einen großen Trekking-Rucksack sowie einen großen Aufgabe-Koffer. Nicht zu vergessen zwei weitere große Gepäckstücke, in denen sich ausschließlich deutsche Supermarkt-Produkte für die Lieben in Peru befinden. Unter anderem knapp 10kg Taifun-Tofu (Werbung wegen Markennennung), 8 Flaschen Balsamico-Essig (weiß!) sowie die halbe Bio-Abteilung aus dem dm. Na hoffentlich stürmt bei der Zollkontrolle kein Taifun durch die Koffer und lässt den Tofu im Restmülleimer des Flughafens seinen letzten Urlaub antreten. Dios mio!

 

 

02

30.6.26

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Die unendliche Geschichte

 

Südamerikanische Abenteuer beginnen früh. Sehr früh. Weckergebimmel um 3h40. Und spätestens hier dämmert es Madame, dass das Abenteuer bereits in Deutschland beginnt. Denn nach dem Aufstehen spenden lediglich die Taschenlampen der Smartphones Licht. Die Sicherung ist rausgeflogen (möglicherweise hatte sie einen früheren Flug in das Land, wo der Pfeffer wächst, genommen...HAHA!) und verschont lediglich den Hotelkühlschrank samt Taifun-Tofu. Jesus Maria! Anscheinend ist die Mannschaft noch nicht wach genug. Das zumindest denkt sich der zuständige Aeropuerto-Taxifahrer. Der lacht nur müde (Haha, die 2.) als er hört, dass der Hotelangestellte die Fahrt mit 20 min angibt. Hamid ist wohl die Reinkarnation von Paul Walker und spielt auf den Frankfurter Straßen "fast and the furios" nach. Mit sage und schreibe 185km/h auf der Autobahn wäre selbst ein Faultier auf der Pole Position gelandet! 
Die nächste Challenge um exakt 4h17 (Dank Hamid war man ja drölfzillionen Stunden eher da) am nigelnagelneuen Terminal 3 des Frankfurter Flughafens (eröffnet just am 22.4.26!) an den Eincheckschaltern, wo man nicht nur eigenständig eincheckt, sondern auch noch die Kofferbanderolen ausdrucken und formschön an den Gepäckstücken anbringt. Die eigentliche Abgabe des Gepäcks erfolgt inzwischen auch ohne menschliches Flughafenfachpersonal. Was nicht unbedingt schneller ist. Die nette Dame, wir nennen sie an dieser Stelle Svitlana Januszkiewicz, die die Gesamtkontrolle über mehrere Schalter inne hat, denkt nicht daran, einer gewissen Familie H. aus L. zu Hilfe zu kommen als vermaledeites technisches Gerät sich anhaltend als Diva aufspielt (ein Mars-Riegel half an dieser Stelle auch nicht). Ganz und gar nicht divenhaft verhalten sich die beiden wirklich freundlichen Mitarbeiter an der Sicherheitskontrolle, die uns höflich darauf aufmerksam machen, dass in beiden Rucksäcken der Minimenschen Messer mitgeführt werden. What?! Ganz möglicherweise hat Madame die Pfadfinder-Schnitzmesser vergessen zu entfernen und beißt sich gedanklich bereits in den allerwertesten Orangen-Po. Der bleibt dann aber verschont. Hätte eh nicht geschmeckt. Die eigentliche Übeltäterin ist nämlich schnell überführt - eine gewisse Norden-Oma meinte es gut und gab beiden Kindern ein kleines Geschenk für die Reise mit...Taschenmesser und Flugreise sind grundsätzlich keine gute Kombination. Glücklicherweise sind die Messerchen so klein, dass sie tatsächlich mitgenommen werden dürfen. Nur ab sofort ohne Geschenkpapier. Das wird ja seit jeher ja sowieso furchtbar überbewertet!
Äußerst überbewertet war dann für Madame natürlich der erste Flug zu einem gewissen Charles de Gaulle, den man aber in klitzekleinen 1,5 Stunden ohne besondere Vorkomnisse und weitere Abenteuer erreicht. Fast nahtlos schließt sich dann der Flug von Paris nach Lima an...Start nur eine gute Stunde später. Wenn man denn dann seinen reservierten Sitzplatz auch einnehmen kann. In diesem Fall ist einer davon bereits okkupiert - von einer spanischen älteren Dame, die des Englischen leider nicht mächtig ist. Nach erfolgloser Kommunikation hilft nur noch der hinzugerufene Stuart. Anscheinend ist sich die Señora sicher, dass man sich in einem Flugzeug grundsätzlich einen passenden Sitzplatz vor Ort spontan aussuchen dürfe - anders kann man es sich nämlich nicht erklären, wie sie von Reihe 44 Platz C, auf Reihe 12 Platz B kommt. It's a kind of magic. Nach kurzem Hin und Her und Klärung der Sitzplatzverhältnisse wird Madame herzlich umarmt und geküsst. Nicht vom Stuart! Der ist nicht fürs Küssen, sondern vor allem für das leibliche Wohl zuständig. Labello hat er leider nicht im Angebot. Sehr ärgerlich. Madames Lippen sind so trocken wie die Wüste Gobi nach der Menopause und die allseits bekannte Zugluft in Flugzeugen (Zugluft in Flugzeugen? Müsste es nicht eher Flugluft heißen?!) tun ihr Übriges dazu. Und an dieser Stelle gibt es eigentlich nur eine Sache, die die Antwort bringt! Nein, nicht 42. Und auch nicht 6 7. Es ist....Trommelwirbel - natürlich die GUTEBUTTER!!! Was auch sonst?! Die wurde nämlich nur Minuten zuvor vom Stuart zusammen mit Pasta, Camembert und Brötchen serviert. Ab auf die Lippen damit. Ahhhh, die GUTEBUTTER. Eigentlich könnte Madame mit diesem wundervollen Wort diesem Post mit historischen Längenausmaßen (selbst die Bibel würde erblassen vor Neid!) endlich ein Ende setzen, uneigentlich ist dieser Tag noch laaaange nicht im Dornröschenschlaf. Denn nach gemeistertem Flug (die Minimenschen haben die 12-stündige Flugdauer womöglich so gut überstanden, weil sie eventuellvielleichtmöglicherweise das Entertainment-Programm der lieben Air France selbst während des Essens nicht ausgeschaltet haben...#heutedürfensiealles) samt sehr tranquilla Gepäckausgabe erwartet die Mannschaft noch eine 1-stündige Taxifahrt zum Hotel. William, ein Freund der madam'schen Schwester, hat neben seinem Wagen freundlicherweise auch Wasser, Bananen und Kekse para los bebés zu verteilen. Viel Energie zum Futtern hat nach diesem abenteuerlichen Tag irgendwie keiner mehr. Wen wundert's...denn in der Heimat ist es zu diesem Zeitpunkt bereits 1h und wir seit 21 Stunden auf den Beinen. Höchste Zeit für eine Mütze Schlaf.

 

 

03

1.7.26

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Tutti Frutti

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"Feliz Navidad" sagt man in Spanien,
"Buon Natale" in Italien,
"Joyeux Noël" heißt es in Frankreich und
"Frohe Weihnachten" sagt man bei uns.
"Merry Christmas" in Amerika
und in Griechenland sagt man "Χρόνια πολλά"
und überall, da wartet man
auf Sinterklaas, Père Noël und Weihnachtsmann.
Dieses Kinderlied nistete sich letzte Nacht als Ohrwurm unbarmherzig in Madames Gehörgängen fest und ließ sie nur schlecht in den wohlverdienten Schlaf finden...lag wohl daran, dass die Minimenschen kurz vor Reiseantritt bei 40 Grad die heimische Küche zur Weihnachtsbäckerei umfunktionierten und fleißig Muffins und Plätzchen in den Ofen schoben.
Um exakt 6h40 sind die Kekse fertig gebacken und die Mannschaft hat sich die Schlafmütze wieder abgezogen. Normale Schul-Aufstehzeit. Da bleibt Hoffnung auf wenig Jetlag (der weihnahtliche Wurm hatte sich inzwischen auch eine andere Bleibe gesucht). Der Blick aus dem 12.Stock bietet vor allem Hochhäuser, dichtesten Verkehr, Kabelgewirr in luftiger Höhe und ein ordentliches Menschengetümmel. Gestern Abend hatte man auf dem Weg zum Hotel einen ordentlichen Tapetenwechsel zu verkraften - unverputzte, unfertige Rohbauten mit provisorischen Dächern reihten sich da aneinander in Staub, Müll und Dreck. Obwohl diese barackenähnlichen Hütten verlassen zu sein schienen, verriet die in der Wintersonne (jahaa, Südhalbkugel!) aufgehängte Wäsche auf den unfertigen Obergeschossen etwas anderes. Da muss man erstmal schlucken...und dieses Bild jedem zeigen, der sich beschwert, dass das Gras des Nachbarn viel grüner und das eigene Poolwasser 1 Grad zu niedrig sei. Hmmmpf...
Ganz und gar nicht zu beschweren hat man sich über das köstliche Desayuno im Andina Resort - frische Früchte so weit das Auge reicht...pero claro - Peru ist ein sogananntes Tutti Frutti-Land (nein, Madame meint nicht die gleichnamige Fernsehsendung aus den 90er mit Hugo Egon Balder!). Maracujas, Mangos, Ananas, Blaubeeren, Melonen werden genauso wie Avocados, Bananen, Papayas und Trauben überall dort, wo es das Klima zulässt, angebaut und im großen Stil exportiert (Bei den Blaubeeren ist Peru Exportspitzenreiter, auch der Spargel wird fast zu 100% verschifft, da er in Peru kaum auf dem Speiseplan steht). Madame schweift ab...das Frühstück bietet also neben den frutas frescas verschiedenste Brot- und Brötchensorten, Kuchen, Muffins, Brownies, Croissants, Joghurt, frisch gepresste Säfte undsoweiterundsoweiter. Nach dem Füllen aller Mägen gibt es für die Minimenschen nur eins - erstmal eine Runde in den hoteleigenen Pool bevor Lima erkundet werden will. Um von dem Viertel Miraflores nach Barranco zu kommen, bestellt man kurzerhand ein Uber, das die Mannschaft sicher durch den Hauptstadtverkehr lenkt - was bei diesen Verkehrszuständen einem kleinen Wunder gleicht. Straßenverkehrsregeln scheint es zu geben. Es hält sich nur keiner dran. PKWs, LKWs, Motorräder, Mofas und Tuk Tuks sind vor, neben, hinter, über und möglicherweise auch unter einem...während Madame gedanklich versucht, dem Tuk Tuk rechts auszuweichen, schert auch schon ein Taxi von links ein und fährt nur Milimeter vom eigenen Fahrzeug unbeeindruckt weiter. Mehr als unbeeindruckt scheinen hier übrigens alle vom Dauer-Hup-Konzert zu sein, das lauter und lebendiger ist als ein Konzert der Rolling Stones in der Hamburger Elbphilharmonie. Barranco selbst ist vielleicht das schönste Viertel der peruanischen Hauptstadt. Viele bunte Farben und Gebäude im Kolonialstil beherrschen das sympathische Gesamtbild. Nach einem kleinen Spaziergang über den Bajada de bañjos zum Strand ist es allerhöchste Zeit den Kalorienbedarf aufzufüllen! Ohne Soles geht aber erstmal gar nichts! Daher ab zum Geld wechseln...auf die Straße! Jawohl, richtig gelesen! Madames Hermana gab den Tipp, direkt an der Straße vor dem Metro Supermercado zu tauschen - die Händler dort hätten die besten Wechselkurse. Gesagt getan und ab mit Bargeld zum nächsten Tipp der Schwester, die selbst 2 Jahre in Barranco gelebt hat. In La Panetteria Barranco verputzt man leckere Hamburguesa (geneigte Leserschaft, hier lernt man mehr Spanisch als an jeder Volkshochschule!) und knusprig frische Sandwiches. Das Dessert kredenzt La Helado de Lima, die una Bola für umgerechnet 3€ (12 Soles) anbietet. Puh. Mia Madre, was für ein Preis. Dafür ist der Eintritt ins MAC (Museo de Arte contemporaneo) mit 40 Soles (10€) für alle Vier ja geradezu ein Schnäppchen. Fantástico!

 

04

2.07.26

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More amor por favor

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Er ist da. Sein Name: Es-war-doch-klar-dass-ich-euch-kriege-Jetlag. 4h45. Minimadame (mittlerweile unsere beste Schläferin) steht senkrecht im Bett. Sei es drum. Monsieur und Madame sind sowieso irgendwie auch schon wach...beide schlafen hier mitunter am schlechtesten. An den Wechseljahren kann es bei Madame also nicht liegen. Höchstens sie hätte Monsieur angesteckt. Die Inkubationszeit beträgt womöglich ein paar Jahre...lediglich 20 min dauerte der Fußweg zum Parque Amor in Miraflores. Der idyllisch angelegte kleine Park entlang der Küste besticht vor allem durch seine wunderschönen Mosaikarbeiten, die sich in Form von geschwungenen Mauern durch den Park ziehen. Weitergezogen ist man im Anschluss noch mal zum Strand, um dort die Wellenreiter zu bestaunen und ein paar stinkende Seeigel zu sammeln (die ihr Dasein in einer leeren Pringles-Dose im Rucksack der Minimadame fristen. Anm.d.R. kein Tier wurde für diesen Blog verletzt! Die Seeigel hatten bereits das Zeitliche gesegnet als sie in besagte Dose wanderten). Mitunter am schönsten am Meer ist das ewige Rauschen der Brandung...die in diesem Fall einen weiteren positiven Nebeneffekt hat außer absoluter Entspannung und Vor-sich-hin-döselei - die Brandung ist wild, wunderschön und glücklicherweise so laut, dass man den ohrenbetäubenden Lärm des Verkehrs nicht mehr hört. Halleluja! Über eine gute Geräuschisolation verfügt überdies auch der Überlandbus der Firma Cruz del sur. Diese Art zu reisen ist hier äußerst populär, denn über ein Zugnetz à la deutsche Bahn verfügt Peru nicht. Also ab in den vollklimatisierten Bus mit absenkbaren Sitzen und Panoramablick (die Mannschaft sitzt im oberen Bereich gaaaanz vorne!). Das Büschen bringt die Passagiere in 4 Stunden ins knapp 260km entfernte Paracas. Unterwegs darf man sich ein weiteres Mal über das sonderbare Verkehrsverhalten der Peruaner wundern - LKWs sichern ihre Ladung ungefähr so gut wie Oma Gerlinde ihre Schlüpfer an der Wäscheleine, Menschen benutzen die Autobahn als Gehweg, an jeder roten Ampel in den Städten stehen Verkäufer und versuchen, gekühltes Wasser, Obst, Mais und Süßigkeiten an den Mann zu bringen. Immerhin sind sie dabei besser vermummt als die einbalsamierten Könige im alten Ägypten - langärmlige Kleidung, Sonnenhüte mit großer Krempe und sogar Handschuhe werden getragen, um sich vor der Sonne zu schützen. Anders als die Glasfaser-Jungs in der Boelckestraße, die gerade bei 40 Grad stundenlang ohne jeglichen Schutz ackern. Ackern tut dann selbstverständlich der Busfahrer des Kreuz des Südens während seine deutschen Passagiere lediglich die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen. Und da bietet sich mehr als einmal ein fast surreales Bild...überdimensional große Werbeschilder inmitten einer Wüstenlandschaft, durchzogen von heruntergekommenen Baracken, unfertigen Häusern und verlassenen kleinen Verkaufsständen. Und irgendwie drängt sich einem die Frage auf, für wen um Himmels Willen diese Werbeschilder montiert wurden. Womöglich für Quentin Tarrantino, der hier seinen neuen dystopischen Blockbuster drehen wird...die Szenerie passt perfekt zu einem Hollywoodstreifen à la 'From dusk til dawn'. Nein, nicht prawn! In Paracas werden nämlich vor allem Anchovis und Kalmare gefischt. Gefischt hat sich die Mannschaft für diesen und den nächsten Tag ein nettes kleines Privathotel bei Francesco und seiner Casa Paracas. Petri Heil!

 

05

3.7.26

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Grüße aus der Wüste

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Das Desayuno auf der Dachterrasse servieren Francesco und seine Frau höchstpersönlich. Nicht so opulent wie in Lima, aber mit frischen Früchten, hervorragender Avocado und Huevos Revueltos (#VHS). 
Freundlicherweise hatten die beiden uns eine Stunde vor offizieller Frühstückszeit bewirtet, denn bereits um 8h startet der erste Ausflug des Tages zu den Islas Ballestas, eine kleine Inselgruppe vor Paracas' Küste. Highlight sind die tierischen Bewohner dieser Islas - Seeschwalben, Seelöwen, Kormorane, Krabben, Pelikane, Basstölpel, Blaufußtölpel (beheimatet auf den Galapagos Inseln) und Humboldt Pinguine. Von denen man lediglich noch 3 Exemplare antrifft. Der Guide erklärt, dass vor einigen Tagen alle bis dahin verbliebenen Pinguine weiter gen Süden gezogen seien, um mehr Nahrung in kälteren Gewässern zu finden. Momentan tritt ein alle paar Jahre wiederkehrendes Wetterphänomen auf, das den eigentlich sehr kalten (und damit extrem nährstoffreichen) Humboldt-Strom vor der Küste Perus und Chiles gehörig durcheinanderbringt und weitreichende Veränderungen mit sich zieht - El Niño. Durch ihn erwärmt sich das kalte Wasser unnatürlich stark (momentan liegt die durchschnittliche Wassertemperatur 2 Grad höher als sonst!). Das lässt die Nährstoffe extrem zurückgehen und die Tiere müssen als letzten Ausweg weiter gen Süden ziehen, um überleben zu können. Die Bootstour führt weiter vorbei an einem Hafen, an dem die meisten Exporte an Früchten in die ganze Welt verschifft werden. Außerdem darf der sogenannte Candelaber bestaunt werden, eine ca. 2000 Jahre alte Felsscharrung, von denen etwa 20.000 weitere in der peruanischen Wüste zu finden sind. Die berühmtesten Linien befinden sich in Nasca, deren Besichtigung einige Tage später auf dem Programm stehen. An diesem Nachmittag steht ersteinmal eine privat geführte Tour durch den Nationalpark bei Paracas (die Betonung liegt übrigens auf der zweiten Silbe - ParAcas, nicht auf der ersten!) auf dem Programm. Unser Guide Fernando (der fließend Englisch spricht) und sein Fahrer bringen uns zum Reserva National de Paracas. Wer hier an Grün in Hülle und Fülle denkt, ist eindeutig auf dem Sandweg...denn dieser Nationalpark besteht aus Wüste. Soweit das Auge reicht. Aber genau in dieser Kargheit liegt eine unglaubliche Schönheit. Gepaart mit schroffen Felsen (z.b.die Formation Catedral, deren Bogen vor einigen Jahren infolge eines Tsunamis teilweise einstürzte) an der Küste und den unterschiedlichsten Gelb-, Orange- und Rottönen in der Wüste und an mehreren Stränden wie dem Playa rocha (der mit dunkelrotem Sand glänzt) ergibt sich ein ganz außergewöhnliches Zusammenspiel. Das richtige Zusammenspiel brauchen auch die Weber, die an traditionellen Webstühlen ihrem Handwerk nachgehen und die unvergleichlichen farbenfrohen Textilien herstellen. Señor Victor zeigt uns im Casa Museo Sumao nicht nur, mit welchen Naturmaterialien die Wolle gefärbt wird, sondern führt live am Webstuhl vor, wie die wunderschönen Teppiche, Kleidungsstücke und andere Accessoires entstehen. Bei den komplizierten Mustern sollte man vorab keinen Pisco Sour zu sich nehmen! Das tat nur Monsieur am Abend beim Essen direkt am Strand. Und der hatte es in sich. Wie der ganze Tag! In diesem Sinne ¡Salud!

 

06

4.7.26

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Der Sandmann

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Der Pisco Sour vom Vorabend ist mittlerweile verdaut und so steht der nächsten Fahrt mit Cruz del Sur nichts im Wege...in knappen 2 Stunden soll man Ica erreichen. Wenn, ja wenn man unfallfrei dort ankommt. Madame staunt weiterhin über diesen Verkehr! Bestellt hat man wohl ein All you can hear Hup-Buffet, allerdings ohne Verkehrsregeln. Der Busfahrer des südlichen Kreuzes hupt sich also nach Ica, nimmt hier und da ein paar Äste mit, möglicherweise auch das ein oder andere Tuk Tuk oder Mofa. Ein bisschen Schwund ist immer, nicht wahr? Geschenkt wird sich hier auf der Straße nullkommanix - wer später bremst ist länger schnell. Wie die Tuk Tuks, die Icas Straßen bevölkern wie die Heuschrecken bei einer ausgewachsenen Plage. Aber immer gepimpt nach persönlichem Gusto, Design und Style - da fährt ein roter Diego mit Apple-Konterfei neben einer blauen Glitzer-Xiomara und Julio lässt uns wissen, dass con dios todo es posible ist! Nach einer weiteren klitzekleinen Taxifahrt erstrahlt sie in voller Pracht - Huacachina! Eine Oase mitten in der Wüste Perus! Zum Bersten gefüllt mit Hostels, Bars, Bistros, Souvenirläden und Touranbietern. Das gebuchte Ecocamp verfügt über lediglich 13 Zelte, die sehr reinigungsfreundlich gestaltet sind - 2 Betten, ein Nachttisch mit Lampe, ein Ventilator sowie ein Holzgestell zum Aufhängen von Handtüchern. Nicht zu vergessen die beiden Seifen von Dove. Das nennt Madame mal Purismus. Ähnlich puristisch auch die Gemeinschaftsduschen und -toiletten (aber sehr sauber!). Gratis dazu - Sand, Sand, Sand. In jeder noch so kleinsten Ritze (und Madame meint nicht nur die im Zelt) verstehen es die kleinen Körnchen sich zu verstecken! Insbesondere nach dem nachmittäglichen Ausflug in die Wüste - bei einem der drölfzillionen Anbieter wird spontan eine Sandbuggytour mit Sandboarding gebucht. Madame schwant bereits da Böses. Sie sollte nicht enttäuscht werden. Die sand- und abenteuerhungrigen Touristen strömen in Scharen zu einer Buggy-Armada am Wüsteneingang. Und Madame fragt sich, warum andere Besucher mit Helmen ausgestattet werden und sie nicht. Nachdem alle Fahrgäste ordnungsgemäß angeschnallt sind, gibt Alex Gas. Ich geb Gas, ich will Spaß. Madame versteht anscheinend überhaupt keinen Spaß und hat just in diesem Moment ein grauenhaftes Déjavue. Sommer 2022 - die vermaleidete, fast tödlich endende Seeadler-Safari mit dem RIB-Boot auf den Lofoten (die geneigte Leserschaft erinnert sich!). Während Madame gedanklich noch in Norwegen verweilt, rast Sandmann Alex steil auf die nächste Düne zu. So steil, dass der Buggy doch kippen muss! Madames Fingergelenke werden weiß während sich ihre Hände in purer Panik um den metallernen Haltegriff schließen. Einatmen. Ausatmen (Das wusste auch schon Roger Cicero...). Der Buggy bleibt stabil. Zumindest bei dieser Düne. Immerhin hätten wir im Falle eines Unfalls Überrollbügel - nachdem es hier in der Vergangenheit wohl einige tödliche Unfälle gab (suuuper!), wurden die Sicherheitsauflagen deutlich verschärft. Allerdings sind die beiden strohhalmähnlichen Überrollbügel höchstwahrscheinlich mit einem Streifchen Thesafilm angeklebt! Sehr beruhigend. Weniger ruhig ist auch die Teenager-Tochter der mitfahrenden US-amerikanischen Familie. Die schreit panisch irgendwann so laut, dass selbst Ich-geb-Gas-Alex ein Einsehen hat und verspricht, ab sofort tranquillo zu fahren. Hab Dank du gutes Mädchen namens Olivia! Ohne dich läge Madame jetzt mit ausgehauchtem Leben irgendwo in der Wüste Perus. Und hätte sich die neuen, bisher ungetragenen Outdoorsandalen ganz umsonst gekauft. Madame darf sich aber nicht zu früh freuen - noch steht das Sandboarden auf dem Programm und Sandmann Alex duldet keine Weicheier. Rauf auf die Boards und runter von der Düne, die so steil ist wie der Mount Thor in Kanada (die Westwand dort stürzt 1250m senkrecht, teils überhängend in die Tiefe...nur, falls es jemanden interessiert. Gern geschehen.). Die erste Runde (Oh Gott, es gibt zwei?!) meistern Madame und ihre Miniversion zusammen, die zweite Runde schafft jeder alleine. Und alle leben. Geht doch.

 

07

5.7.2026

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Mayday! 

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Schlaf Kindlein schlaf. Unglücklicherweise ist Madame kein Kindlein mehr. Soll heißen - kein Schlaf für sie. Nicht mal ein klitzekleines bisschen. Diese Oase ist kein Paradies, sondern eine Alptraum für Schlafsuchende. Bis morgens um 4h tobt hinter der nächsten Düne ein Technofestival und der Bass wummt so laut, dass alle Sandkörnchen im Umkreis von zehnzillionen Kilometern fröhlich mithüpfen. Ab 6h erfüllt dann ein beißend brennender Geruch das Zelt. Nein, Madame hat nicht gepupst. Und auch sonst niemand. Es wird für immer ein Rästel bleiben, wer und was genau diesen bestialischen Gestank verursacht. Ebenfalls ein Rätsel bleiben wird, wie es gelingt, so viel Luft in die Frühstücksbrötchen zu packen. Die sind so luftig, dass man Angst haben muss, sie flögen jeden Moment vom Teller. Auf Nimmerwiedersehen. Hat man sie aber einmal geschnappt, dauert die Verspeisung in etwa 1,2 Sekunden. Höchstens. Mit Luft im Bauch steigt man um 10h ins Taxi zu Angel (sprich Anchel mit /ch1/ wie in /Buch/ #VHS) - der Checkout zuvor geht rasend schnell, die Minibar blieb ja unangetastet. Haha! (Monsieur fragte an dieser Stelle ernsthaft bei Madame nach, ob es wirklich eine Minibar gab. Madames Lachen ist noch bis weit in die Wüste zu hören!). Angel ist stolzer Besitzer eines Toyota Yaris. Mit einem unglaublichen Riss in der Frontscheibe. Und wenig PS. Und defekten Anschnallgurten. Wie gut, dass man lediglich eine Fahrtstrecke von ca.3 Stunden vor sich hat. Mmmpf...Glücklich ist, wer unfallfrei von Huacachina nach Nasca kommt! Die Fahrt auf der Panamericana gen Süden gleicht wie immer einer Abenteuerfahrt. Und die Landschaft verändert sich - die Berge geben einen ersten Eindruck der Andenausmaße. Noch treibt es uns aber nicht direkt auf 5000m, denn heute begibt sich die Mannschaft auf die Spur der Geolyphen, die 2000 Jahre alten Felsscharrungen in der Wüste Perus. Und die bekanntesten Linien, ab den 1950er Jahren systematisch erforscht und vermessen durch die deutsche Archäologin Maria Reiche-Große, befinden sich in Nasca. Die Forscherin ließ sich 1955 außerhalb der Kanzel auf den Kufen eines Helikopters festschnallen, um bessere Luftaufnahmen der riesigen Linien machen zu können. Ja ist sie denn des Wahnsinns fette Beute?! Madame war wohl ebenfalls wahnsinnig geworden, denn sie würde sich freiwillig ein weiteres Mal in die Luft begeben. Mit einem klitzekleinen Miniflugzeug. Das kann doch nur schief gehen! Immerhin wird die Maschine mit dem Stormtrooper zugeteilt. Möge die Macht mit uns sein. Yeah. Zur Sicherheit werfen alle 1 Stunde vor Flugbeginn eine Vomacur ein, die weniger (oder mehr) etwas benommen und ramdösig macht. Was für eine feine Sache, dieses Mittelchen! Madame sitzt leicht beömmelt im Flieger (mit formschönen Kopfhörern auf den Lauschern) und anstatt lauthals Mayday zu schreien, schaut sie sich mit leicht debilem Lächeln die zugegebenermaßen unfassbaren Linien an. Der Pilot (wir nennen ihn an dieser Stelle Jorge, sprich Chorche mit /ch1/ wie in /Buch/ #VHS) umkreist in ziemlicher Schieflage Kolibri, Astronaut, Wal, Flamingo, Spinne, Kompass, Pelikan, Echse und viele weitere, deren Namen Madame aufgrund des feinen Medikaments nicht erinnern kann und kehrt tatsächlich ohne weitere Zwischenfälle zum Aeropuerto (#mehralsvolkshochschule) zurück. Jesus Maria! Von dort aus wird spontan noch ein Tageshotel in Nasca gebucht, denn der nächste Bus fährt erst um 22h in Richtung Arequipa los. 10h über Nacht. Wie sehr freut sich Madame? Ja.
 

 

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